Das Geheimnis von Altamira: Jahrtausende alte Kunst im Herzen Spaniens


Das Geheimnis von Altamira: Jahrtausende alte Kunst im Herzen Spaniens

*Von Salah Soliman*  



Es ist, als ob man in die Steinzeit zurückkehrt, wenn man die Höhle von Altamira in der spanischen Provinz Kantabrien betritt. Diese einzigartige Höhle, die vor etwa 14.000 Jahren von Menschen der Steinzeit bewohnt wurde, bewahrt noch heute alle Details und Felszeichnungen, die ihre Bewohner an den Wänden und der Decke hinterließen.

 


Nach der Einladung erklärte uns unsere Führerin Natalia Gonzalez, dass wir am nächsten Morgen um Punkt neun Uhr bereit sein sollten, die seltene Höhle zu betreten. Die Vorfreude war groß, da die Höhle nur einmal pro Woche und für nur vier Besucher geöffnet wird. Sie blieb zwölf Jahre lang geschlossen, da die Zeichnungen im Inneren durch das Schwitzen und Atmen der Besucher beeinträchtigt wurden.

 



Die Höhle wurde 1868 entdeckt, und 1902 wurde ihr Wert als ein herausragendes Kunstwerk erkannt. 1986 setzte die UNESCO die Höhle wegen der Bedeutung der darin enthaltenen Zeichnungen auf die Liste des Weltkulturerbes.

 

Der Eingang der Höhle hat eine Breite von etwa 5 bis 15 Metern und reicht etwa 150 Meter tief ins Innere. Beim Betreten des Wohnsitzes eines Menschen, der vor 14.000 Jahren lebte, überkommt einen ein Gefühl der Ehrfurcht – alles scheint noch so zu sein wie damals. Im Museum der Höhle, das sich einige Kilometer entfernt befindet, erfahren Besucher mehr über die Umwelt und Lebensweise des steinzeitlichen Menschen sowie über die Werkzeuge, die er zur Jagd verwendete und die ihm halfen, in dieser Zeit zu überleben.

 



Das erste, was einem in der Höhle auffällt, sind die leuchtenden Farben der Felszeichnungen, die auf den Wänden und der Decke zu sehen sind. Die Decke ist mit Bildern von rund 20 Tieren wie Stieren, Antilopen, Pferden und Ziegen bedeckt. Dazwischen befinden sich Linien, Quadrate und menschliche Handabdrücke. Die Zeichnungen sind ausschließlich in Rot und Schwarz gehalten, Farben, die aus Gestein, Bleioxid, Hämatit und Holzkohle gewonnen wurden.

 

Anthropologen schätzen das Alter der Höhle auf etwa 15.000 Jahre vor Christus und beschreiben sie als Höhepunkt der Kunstentwicklung in der Altsteinzeit. Warum jedoch enthielt die Höhle Tierdarstellungen, aber keine Bilder von Menschen oder Pflanzen? Natalia Gonzalez von der Tourismusabteilung der Region Kantabrien erklärt, dass die alte Kunst sich oft auf realistische Motive konzentrierte. Deshalb überwiegen die Abbildungen großer, bekannter Wildtiere, die als Symbole für besondere Rituale dienten: der Stier als Symbol für Männlichkeit und die Stute für Weiblichkeit.

 



Es gibt noch weitere Theorien über diese Kunst. Manche glauben, dass sie als magische Riten dienten, um die gewünschten Tiere zu jagen, während andere in ihr reine Kunst ohne tieferen Zweck sehen. Unabhängig von diesen Theorien bleibt die Höhlenkunst ein Meilenstein in der kulturellen Entwicklung der frühen Menschen und zeigt, dass sie in einer fortschrittlichen sozialen Umgebung lebten und über spezifische religiöse Überzeugungen verfügten. Auch wenn die Forscher weiterhin versuchen, das große Ganze zu verstehen, so ist doch sicher, dass die Höhlenbewohner nicht so primitiv waren, wie man vielleicht annimmt – und sie waren gewiss nicht so zerstörerisch wie die Menschen der heutigen Zeit!

 



Die Höhle von Altamira ist sicherlich nicht der einzige Ort in Europa, der die Geschichte der frühen Kulturen bewahrt. Aber ihre tiefen Gänge, die bis zu ihrer Entdeckung von äußeren klimatischen Einflüssen abgeschottet waren, trugen in außergewöhnlicher Weise dazu bei, ihren Inhalt zu bewahren. Die Altamira-Höhle ist somit ein Paradebeispiel für die Höhlenkunst der Altsteinzeit, die sich von den Uralbergen in Russland bis zur iberischen Halbinsel, über die Alpen hinweg, erstreckte und während der Zeit von 53.000 bis 11.000 v. Chr. aufblühte.



 Die Erforschung der weltweit entdeckten Höhlen hat viele Wahrheiten über die frühen Menschen ans Licht gebracht. So wurden in Australien Zeichnungen von Tieren und Vögeln gefunden, die vor 40.000 Jahren ausgestorben sind. In somalischen Höhlen wie der Höhle „Las Geel“ fanden sich Darstellungen der ersten Hirten, und in französischen Höhlen wurden die ältesten menschlichen Spuren und Darstellungen von 12 Tierarten entdeckt, von denen einige heute ausgestorben sind.

 


Auch die alte ägyptische Kultur hat viele ihrer Geheimnisse in Höhlen und unterirdischen Gängen bewahrt. Der Ägyptologe Ahmed Fakhry hörte 1950 während einer Ausgrabung bei der Pyramide von Dahschur geheimnisvolle Windgeräusche aus dem Boden und vermutete, dass es dort einen bisher unentdeckten Gang gibt. Später bestätigte der Ägyptologe Peter Kolosimo, dass die archäologische Stätte von Sakkara voller unterirdischer Kammern und Tunnel ist. Auch unter dem Tempel von Abydos in Sohag wird das Vorhandensein solcher Gänge vermutet.

 



Ohne diese alten Höhlen und Tunnel hätte die Menschheit viel weniger über die frühen Zivilisationen erfahren und das Verständnis für die menschliche Entwicklung wäre deutlich eingeschränkter. Die Höhle von Altamira und ähnliche Orte erinnern uns daran, wie kunstvoll und ausdrucksstark das Leben der frühen Menschen war und welche Verbindung sie zu ihrer natürlichen Umgebung hatten.

 

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